Der Eierkarton

Neulich nach dem Einkaufen bekam ich eine (unfreiwillige) Weiterbildung in Sachen Akzeptanz. …

Beim Auspacken der Einkäufe passiert es: Der Eierkarton knallt auf den Boden.

So ein Mist!

Ein Gefühl von Ärger blitzt in mir auf. 
Natürlich wünsche ich, dass es nicht passiert wäre. 
Natürlich habe ich „keine Zeit“ und keine Lust, das aufzuwischen.
Ich bemerke, wie ich beginne, mich zu schelten, dass ich so ungeschickt war. 

Und gleichzeitig nehme ich wahr:
Hier sind wir nun. Ich und der Eierkarton. Jetzt. So wie es ist. Mit den „verlorenen“ Eiern und der „gewonnenen“ Sauerei.

Ich bemerke – und genieße – den Punkt der Entscheidung: Ich habe die Wahl!

  • Ich kann einfach weggehen und die Sauerei lassen, auf später oder überhaupt – zumindest in Theorie.
  • Ich kann weiter vor mich hinschimpfen, ständig mit dem Geschehenen hadern und die Sauerei zornig beseitigen, sei es nun halblebig oder perfekt.
  • Ich kann den Ärger und seine Kumpel wahrnehmen, kann lächeln (oder auch nicht), Lumpen und Eimer ergreifen, mich bücken und die Sauerei beseitigen, und so den Zustand für mich, meine Küche, mein soziales Umfeld verbessern. Und vielleicht stelle ich beim Bücken sogar fest, dass noch ein paar Eier heile sind.
  • Oh, ich könnte natürlich auch, sei es nun zornig oder amüsiert, auf den Eierkarton hüpfen und die Sauerei vergrößern.


So viele Freiheiten!

Und wie immer gilt:
Dem Bücken, Draufrumhüpfen – oder auch dem bewussten Weggehen – geht die Akzeptanz des Zustandes voraus. Von dort aus kann ich entscheiden, wie ich in der Welt auftreten möchte.

Ich finde das ein wunderbares Bild für ACT-Akzeptanz: 

Die Vergangenheit ist, wie sie ist. Hier kann ich nichts mehr ändern. Egal, was das in mir auslöst und wie sehr ich mir anderes wünsche.
Die Gegenwart ist, wie sie ist. Das kann ich nicht ändern, „nur“ wahrnehmen.  Egal, was es in mir auslöst und wie sehr ich mir anderes wünsche.

Und dann kommt die Freiheit:
Ich habe die Wahl, wie ich mit dem „Jetzt“ umgehe und wie ich – im Rahmen meiner Einflussmöglichkeiten – die Zukunft gestalte, während ich all die schwierigen Gefühle und Gedanken da sein lasse und mitnehme. 
Mit selbstfreundlicher Selbstansprache, sofern ich die Kurve bekomme. (Auch das ist eine Wahl.)

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